Gesellschaftstanz im Dornröschenschlaf
Der Gesellschaftstanz wartet auf seine Renaissance. „Darf ich bitten“ ist eine Aufforderung, die man so gut wie nie mehr zu Ohren bekommt, sie klingt wie ein Relikt aus dem vorletzten Jahrhundert.
In der Tat ist der Gesellschaftstanz in einen Dornröschenschlaf verfallen. Tanzen in Gesellschaft bekam mit dem Aufstieg der Popkultur und der Etablierung von Diskotheken als Ort des Geschehens eine völlig neue Bedeutung. Die Individualisierung der Gesellschaft machte auch nicht halt vor dem Tanzparkett. Man bewegt sich nicht mehr gerne paar- oder gar gruppenweise im Korsett vorgeschriebener Bewegungsabfolgen. Es gilt, seinen persönlichen körperlichen Ausdruck im Tanz zur Schau zu tragen. Während der Schulzeit mag man noch den obligatorischen Tanzkurs besuchen und aufgeregt für den Abschlussball üben. Danach wird man Ballkleid oder Anzug in den Schrank hängen und sein Tanzbedürfnis in erster Linie in Klubs befriedigen. Dabei haben Gesellschaftstänze durchaus ihren Reiz. Wer sich gerne mit anderen im Gleichklang bewegt wird eine freudvolle Gemeinschaftserfahrung machen und jede Menge Spaß haben. Wenn man Menschen gemeinsam das Tanzbein schwingen sieht, kann man feststellen, dass dabei stets Fröhlichkeit und gute Stimmung herrschen. Gesellschaftstanz umfasst dabei nicht nur den Paartanz, auch Gruppen- und Kreistänze sind im weiteren Sinne dem Begriff zuzuordnen. Wann immer gemeinsam nach einer bestimmten Schrittfolge, an die sich mehrere Beteiligte halten, getanzt wird, spricht man von dieser Tanzform. Bevorzugt wird dazu Livemusik in kleiner Besetzung gespielt, was die besondere Atmosphäre solcher Tanzveranstaltungen entscheidend mitprägt. Viele internationale Tänze, insbesondere Folkloretänze aus Osteuropa haben mittlerweile bei uns Einzug gehalten. Auch aus Afrika sind zahlreiche traditionelle Tanzformen überliefert, welche immer in Gemeinschaft vollzogen werden, in der Regel im Rahmen von Ritualen und Festen. Eine Hochzeit gilt heute als einer der wenigen Anlässe, bei denen der Gesellschaftstanz auch in der abendländischen Kultur noch selbstverständlich seinen Platz behauptet. Wer aber an einem gewöhnlichen Samstagabend das Tanzbein schwingen will und nicht gerade beim Heimatverein oder Tanztee im Kurhotel landen möchte, wird sich schwer tun. Paartanz, wie auch Volks- und Kreistänze finden in der Altersgruppe über 60 ihre meisten Anhänger und Anhängerinnen, und dementsprechend sind die Veranstaltungen besucht. Für junge Leute gibt es hingegen kaum Angebote. Es gilt in diesem Bereich, neue attraktive Gelegenheiten für jüngere Zielgruppen zu erschließen.

