Denkt man an Tänze, dann fallen einem in der Regel zuerst die hier üblichen Standardtänze und vielleicht noch lateinamerikanische Tänze ein. Schließlich sind diese beiden Gruppen auf der Welt am weitesten verbreitet, werden in Tanzschulen gelehrt und auf Turnieren getanzt. Viele Menschen wissen gar nicht, dass auch Afrika eigene Tänze hat, die nicht nur aus einfachen Bewegungen entstehen. Vielmehr beherbergen gerade afrikanische Tänze viele Traditionen und erzählen Geschichten. Grundsätzlich unterscheidet man sechs verschiedene Tanzgruppen, die aus Afrika kommen. Jede Region hat ihre eigenen Tänze. Lediglich die Länder im Norden des Kontinents gehören offiziell nicht zur Gruppe afrikanischer Tänze, da sie von einer ganz anderen Kultur geprägt wurden.

Einen wichtigen Bestandteil der afrikanischen Traditionen stellen die Kriegstänze dar. Ursprünglich handelte es sich dabei um Tänze, die vor einem Kampf dem Feind Stärke demonstrieren und die eigenen Krieger motivieren sollten. Heutzutage kämpfen die Stämme nicht mehr oder auf andere Weise miteinander, so dass der Kriegstanz seine eigentliche Bedeutung verloren hat. Stattdessen wird der Kampf heutzutage vor allem zu Übungszwecken getanzt. Wichtige Bestandteile sind nicht nur die Bewegungen, sondern auch Waffen, deren Umgang man im Tanz trainiert. Man lernt nicht nur, wie ein Angriff zu erfolgen hat, sondern auch, wie man sich damit verteidigt. Im krassen Gegensatz dazu stehen die Liebestänze. Man tanzt sie vor allem bei Hochzeiten, aber auch bei Mondfesten. Häufig wechseln sich sanfte, beinahe weiche Tänze mit sanften, erotischen Bewegungen mit energiegeladenen, beinahe aggressiv-werbenden Tänzen ab. Männer und Frauen stehen sich hier gegenüber und entscheiden, mit wem sie tanzen wollen. Häufig ist ein solcher Tanz der Beginn einer Ehe, weil sich so Bekanntschaften entwickeln.

Eine wichtige Rolle spielen gerade in den afrikanischen Stämmen auch die Übergangstänze. Sie werden getanzt, wenn ein Junge oder Mädchen die Schwelle zum Erwachsenenalter überschreitet und in die Gesellschaft der Erwachsenen eingeführt wird. Die jungen Menschen tanzen und werden danach von den Erwachsenen als vollwertig anerkannt. Ganz ähnlich sind auch die Begrüßungstänze. Sie demonstrieren Gästen gegenüber Respekt, zeigen aber auch, wie stolz, kraftvoll und attraktiv die Gastgeber sind. Eine relativ große Gruppe machen auch die Geistertänze aus. Sie sind besonders traditionell und sollen Geister anrufen, die dann vom Tänzer Besitz ergreifen. Häufig bittet man die Geister um einen Sieg im Krieg, Hilfe bei Unfruchtbarkeit oder Regen bei Dürren. Die letzte Tanzgruppe bezeichnet alle afrikanischen Tänze, die modern und ohne Tradition sind. Man begegnet ihnen häufig in Städten, wo sie Touristen vorgeführt werden. Hier geht es weniger darum, eine Geschichte zu erzählen oder einen Zweck zu erreichen. Lediglich die Unterhaltung der Zuschauer steht bei diesem Tanz im Vordergrund.